Auszug aus Boudriot´s Monographie, mit freundlicher Genehmigung…
Der Sklavenhandel
Zu Beginn der Kolonialisierung während des sechzehnten Jahrhunderts waren die Amerikanischen Territorien primär zur Versorgung der europäischen Märkte mit tropischen Gütern gedacht. Zu diesem Zweck wurde auf den neuen Besitztümern das Plantagensystem eingeführt. Plantagen waren weitläufige landwirtschaftliche Flächen, deren Bewirtschaftung große Arbeitskraft erforderte (um Felder zu säubern, das Land zu präparieren, anzupflanzen und zu ernten). Die Landbesitzer kamen zu der „Erkenntnis“, dass gehorsame und unterworfene Arbeiter für diese harte Arbeit unter extremen Wetterbedingungen am besten geeignet wären. Aufgrund dieser folgenschweren Entscheidung nahm der Sklavenhandel, welcher bereits im sechzehnten Jahrhundert im Gange war (600.000 Menschen), im siebzehnten Jahrhundert mehr und mehr zu (3-4 Millionen) und erreichte im achtzehnten Jahrhundert seine größten Dimensionen (7-8 Millionen). Jedes Jahr wurden beinahe 80.000 Menschen von Afrika auf die amerikanischen Kontinente verschifft. Der Transport wurde von den großen europäischen Königreichen unterstützt und bewerkstelligt (Frankreich, Großbritannien, Portugal und Spanien), da sie sich einen höheren Profit von ihren Kolonien in Südamerika und der Karibik versprachen.
Der Sklavenhandel verlief entlang einer Dreiecksroute im Atlantik. Die Händler verließen Europa in Richtung Afrika, um Sklaven zu erwerben (getauscht wurden sie gegen Alkohol, Waffen, Kleidung und Waren aller Art). Von da ging es weiter in Richtung Karibik, wo man die Sklaven verkaufte, um dann mit tropischen Gütern wie Zucker, Kakao, Kaffee und Indigo nach Europa zurückzukehren. Die Dauer einer solchen Reise betrug zwischen 15-18 Monate, inklusive der Reisezeit zwischen den Kontinenten als auch den Verhandlungsdauern in Afrika, der Karibik und Südamerika. Verhandlungen konnten innerhalb einiger weniger Wochen abgewickelt werden oder bis zu sechs Monate dauern, was solche Unternehmungen zu einem sehr riskanten und unberechenbaren Geschäft für Schiffsbesitzer machte. Ein neuer Begriff der Schifffahrt entstand: Das Sklavenschiff.
Der Sklavenhandel entwickelte sich rasant und wurde praktisch als ein Gewerbe wie jedes andere angesehen. Auch der Sklavenhandel war strikten Reglementen unterworfen, der Natur des „Handelsguts“ entsprechend. Einige Königreiche begannen ein Interesse für den neuen Markt zu entwickeln, und heuerten Unternehmen an mit dem Auftrag, Handelsposten entlang der afrikanischen Küste zu errichten. Hafenstädte wie Nantes, Bordeaux, Liverpool und Lissabon begannen Schiffe zu chartern, um Menschen wie Waren zu transportieren und zu verkaufen. Sklavenschiffe: Laut Boudriot (…), wurden diese Schiffe mit Sorgfalt konzipiert: „Um ein solches Geschäft erfolgreich durchzuführen (den Sklavenhandel), wurden 300-400 Tonnen Schiffe mit 10 Fuß Laderäumen und 4´ 4´´ hohen Zwischendecks eingesetzt. Dies ermöglichte es, genug Wasser für die menschliche Fracht und die Besatzung an Bord zu nehmen und die Sklaven in Zweierreihen in den Zwischendecks zu verstauen.“
Die Schiffbarkeit wurde vor allem von der Überfahrtsgeschwindigkeit bestimmt, eine höhere Überfahrtsgeschwindigkeit hat eine geringere Sterblichkeitsrate und einen geringeren Wasserverbrauch zur Folge. Sklavenschiffe waren keine traditionellen Handelsschiffe, noch waren sie Kriegsschiffe. Die Bedingungen des Transports als auch die Geschwindigkeit waren in Anbetracht der „Zerbrechlichkeit“ der transportierten „Fracht“ von gleich großer Wichtigkeit.
In Nantes, wurde jedes Schiff vor dem Auslaufen sorgfältig ausgerüstet, bevor sie in See stachen: Proviant und Gemischtwaren wurden auf Barkassen verladen und zu den Schiffen verfrachtet, welche de facto im benachbarten Paimboeuf verstaut waren, um dem Tiefgang der Schiffe gerecht zu werden. Die Fracht wurde dann gecheckt und administrative Formalitäten wurden von den zuständigen Behörden durchgeführt.
|
|
Das Sklavenschiff |